Archiv für die Kategorie ‘Ausbildung’

Abschied von Riki

Dezember 22, 2007

Am Donnerstag brachten wir (Get it! und Quest) Riki zum Euro-Airport. Er ging schon etwas früher nach Hause als wir anderen. Er hatte zwei riesen Koffer bei sich (er war jetzt seit einem Jahr nicht mehr daheim) und weil er schon ahnte, dass das wohl etwas mehr als 2×23kg sein könnte, nahm er noch einen kleinen Lederkoffer mit. Doch er sagte uns: „Bei südamerikanischen Fluggesellschaften schauen sie eh nicht so genau.“

Beim Check In dann stellten wir die Dinger auf die Waage, raus kamen 36 und 29kg. Wir fingen also an, auszusortieren und umzupacken. Beim zweiten wägen dann sagte die Stewardess plötzlich: „Ihr Flug wurde bei verschiedenen Fluggesellschaften gebucht, drum dürfen sie von Basel nach Frankfurt nur 20kg mitnehmen.“ Der Lederkoffer war natürlich auch noch etwa 5cm zu gross fürs Handgepäck.

Weiter gings zum Schalter von Lufthansa. Dort wurde uns gesagt, dass alles Gepäck mitzunehmen 500.- Fr kosten würde und wenn ers mit Cargo schicken würde „nur“ 300. Nun war Riki echt im Stress (das habe ich dort zum ersten Mal gesehen). Aber die Stewardess war glücklicherweise super nett und sagte, dass es bei den 20kg noch etwas Toleranz gäbe und er drum maximal 25kg mitnehmen könne. Zudem brachte sie uns eine Kartonbox wo wir nochmals 8kg als Handgepäck reinbeigen konnten. Und den Rucksack konnte er als „Handtasche“ mitnehmen. Er entschied sich auch, nur einen Koffer mitzunehmen. Nun gings erst richtig los mit dem Umpacken. Wir veranstalteten eine riesen Auslegeordnung auf dem Flughafen, alle halfen, den Wein gut bzw. in die Box zu beigen, zwischendurch ging mal wieder einer zur Waage,…

Schliesslich hatten wirs geschafft: 7.8kg in der Box, der Rucksack war zum Platzen voll, ein Koffer mit 30kg bepackt (die 5kg Übergewicht musste er halt dann noch bezahlen), Riki trug 3 Jacken und einen Koffer nahmen wir wieder mit.

Dann setzten wir uns alle auf den Boden und beteten für ihn. Danach packten die Questler (die ihn ja nicht mehr so schnell wiedersehen werden) als Abschiedsgeschenk 4 Kübel Klacke aus, jeder bekam einen Löffel in die Hand gedrückt und so wanderten die Kübel im Kreis rum. Nach einem Gedicht für Get it! von Katharina (auch einer Questlerin) gingen wir nach oben zum Sicherheitscheck. Dort verabschiedeten wir uns und steckten Riki noch eine Packung Kambly-Güetzi zu, bevor Riki dann kontrolliert wurde.

Sobald er bei der Kontrolle war, hielten wir ein Plakat hoch: „We will miss you!“ Einer der angestellten fragte uns noch, wann wir ihn denn wiedersehen werden. Auf die Antwort „Im Januar“, die natürlich nur für Get it! gilt, grinste er nur… Als Riki durch den Metalldetektor ging rief er plötzlich „EEPA!“ (sagt man so in Paraguay und es bedeutet „hoppla“), und dann: „Gudrun, fang!“, und warf ihr ihren Zimmerschlüssel zu. Den hatten wir ihr für den Streich in der vergangenen Nacht abgeluchst. =)

Schule

Dezember 10, 2007

Ja, neben den Streichen möchte ich mal noch über das schreiben, wozu ich eigentlich hier bin, nämlich um viel von und über Gott zu lernen.

Durch den Unterricht hat die Bibel eine neue und tiefere Bedeutung bekommen. Zum Beispiel dadurch, dass wir einen Überblick über das alte Testament bekommen haben (das neue kommt noch) und ich die Geschichten im Zusammenhang sehe. Dadurch gewinnen sie ein Vielfaches an Aussagekraft. Und ich habe auch die gute Nachricht des alten Testaments entdeckt: Ich gebe dich nicht auf und bin bei dir!

Auch gemerkt habe ich, wie oft wir Gott einengen, uns ein kleines, fassbares Bild von ihm machen, das wir einigermassen begreifen können. Aber er ist so viel grösser und kann so viel mehr. Und das will er auch tun. Wenn wir ihn auch tun und uns von ihm brauchen lassen.

Mein Wunsch, mich auf ein solches Leben einzulassen und auf Gottes Stimme hören zu lernen wird immer grösser. Aber damit auch die Frage, was er mit mir vorhat. Ich bin mir im Moment nicht so wirklich sicher, was ich nächstes Jahr und überhaupt machen will.

Wenn man so viel über seinen Glauben nachdenkt, kommen aber auch immer wieder Zweifel, Dinge, die einem klar waren, sind es plötzlich nicht mehr. Aber zweifeln ist ja an sich gut, dann gehts vorwärts.

Wir haben, wie schon gesagt, viel Stoff und wenig Studierzeit. Somit brauchts auch noch Zeit damit sich das gelernte setzen kann. Aber ich denke, dass ich nun einen vollbepackten Rucksack habe, mit dem ich nach Canada gehen kann und dort gelerntes üben und anwenden kann. So dass es dann hoffentlich nicht gleich wieder untergeht, wenn ich im Sommer zurück in den Alltag komme.

Rache an Riki Teil 2

Dezember 2, 2007

Tja, es ist weitergegangen. Am Freitag Abend haben wir ihm Mayonnaise ins Duschgel gefüllt (und natürlich alle anderen Duschgels aus dem Bad entfernt) und am Samstag Morgen haben wir noch Randenpulver in den Duschkopf gefüllt. Das war vielleicht ne Sauerei. =)

Naja, Riki hat weder sich rot geduscht, noch mit Mayonnaise eingeschmiert. Aber auf jeden Fall musste er die Dusche unterbrechen.

Als Wiedergutmachung haben wir ihm dann ein neues Duschgel gekauft (das alte war praktisch leer und den Rest haben wir s´Loch abglo). Das haben wir sogar noch schön eingepackt.

15.10.

Oktober 19, 2007

Am Samstag waren wir mit einigen Studenten in der Ausstellung „Glaubenssache“. Sie ist super gemacht und regt zum Nachdenken an, dadurch stellt man sich aber hinterher viele Fragen, z.B. ob man wirklich das richtige glaubt oder überhaupt glauben soll. Während der Ausstellung kann man 3 Mal Fragen beantworten. In der Auswertung hatte ich einen Patchworkglauben, was der Beschreibung zufolge bedeutet, dass man sich von allen Religionen das zusammensucht, was einem gefällt. Das würde ich von mir definitiv nicht behaupten… Tjaja, aber sonst wars super.

Am Sonntag Morgen gingen wir in die Bewegung Plus, auch eine Freikirche. Wir kamen, weil die kürzlich umgezogen sind und wir das zu spät erfuhren, eine Viertelstunde zu spät. Aber als wir reinkamen, standen ein paar Teens dort, die sich freuten, dass wir kamen und so viele waren. Somit haben wir uns sofort willkommen gefühlt.

Am Nachmittag haben wir uns noch einen Unihockeymatch des UHC Ökingen in Frenkendorf angeschaut, den der UHCO natürlich souverän gewonnen hat =).

Am Abend gingen wir dann noch ins ICF, auch eine Freikirche, vor allem für Junge. Man muss nämlich mindestens zwei Gottesdienste pro Wochenende besuchen, damit man in den Himmel kommt =)) Nei eh nid, aber wir hatten noch nichts vor am Abend und wollten uns das alle mal anschauen. Wir gingen mit einer ziemlich kritischen Einstellung, da wir von ICF gehört hatten, dass dort vor allem Party gemacht und möglichst viele „coole“ Wörter benutzt werden. So sassen wir also mal im Basler Casino und sangen Anbetungslieder, die natürlich von einer Band begleitet wurden. Dann kam die Predigt, und wider Erwarten hat sie bei mir mitten ins Herz getroffen. Das Thema war, ob man Denken und Glauben vereinbaren könne. Schon das war mutig. Der Pfarrer (wer sich jetzt einen grauen Opa vorstellt, liegt völlig falsch) hat jemanden eingeladen, der Biochemie studiert hatte und nun im Theologiestudium ist und ihm einige Fragen gestellt. Ich dachte schon, dass der jetzt mit Intelligent Design kommen würde, was ich für Humbug und eine praktische Ausrede einiger Christen halte, die die Evolutionstheorie nicht mit ihrem Glauben vereinbaren können. Mit dem kam er dann auch, aber dort hat er nicht aufgehört. Der Pfarrer hat sich dann auch überlegt, wie es wäre, wenn die Evolutionstheorie stimmt und wie, wenn wir Gottes Existenz widerlegen könnten und Atheisten werden würden. Naja, ziemlich sinnlos.

Ein Bild ist mir geblieben: Der erste Schluck aus dem Becher der Wissenschaft macht dich zum Atheisten, auf dem Grund aber wartet Gott.

Genau an diesem Thema habe ich schon lange herumgenagt und es war irgendwie nie jemand da, der mir eine Antwort geben konnte.

Teamleben

Oktober 19, 2007

Im Team gibts fast immer was zu lachen, aber es haben auch gute Gespräche und gemeinsame Gebete Platz. Im folgenden möchte ich euch die Teamler kurz vorstellen: Eva und Thomas kommen beide aus Langnau, sie macht OL und Jungschar. Thomas ist Gärtner und eher still. Elke kommt aus Deutschland und amusiert uns immer wieder mit ihrem pälsisch und Problemen mit schweizerdeutschen Worten. Alle drei sind auf einem Bauernhof aufgewachsen. Michèle und ich sind deshalb jetzt die Stadtkinder… Michèle hat auch die Kanti gemacht und wir zwei haben uns immer was zu erzählen. Riki ist unser Teamleiter, ein Missionarskind, und kommt ursprünglich aus Paraguay, Deutsch ist aber seine Muttersprache und er war für drei Jahre in Kanada.

Hier eines von Elkes Missverständnissen: Am Sonntag Nachmittag machten wir zusammen mit noch ein paar anderen Leuten, mit denen wir Unterricht haben, einen Spaziergang. Nach einer Weile kamen wir zu einem Bauern, bei dem man Glace kaufen kann. Wir waren gerade daran, das nötige Kleingeld zusammenzusuchen, als plötzlich Elke (die aus Deutschland kommt) meinte: Die heissen ja alle Klaacke hier. Wir hatten keinen Schimmer, was sie meinte, bis wir das Schild sahen, wo Glace drauf stand… =)

Elke ist auch sonst ziemlich laut und zu jedem Scheiss aufgelegt. So hat sie z.B. mal allen Velofahrern vom Auto aus zugerufen: „Ey, du hast keine Luft mehr in der Kette!“ Dumm wars nur, als wir an einer roten Ampel warten mussten und eine Velofahrerin kam und fragte, was genau sie eben gesagt hätte…

Oder als wir Verbrecherfotos (Passfotos fürs Visum) machen mussten, habe ich mit der Kamera in den Fotoautomaten fotografiert. Es blitzte, und man hörte Elke schreien: “ Hilfe, ich hab doch noch gar nix gemacht!“ Nun lachten natürlich alle, und das erste Foto war schon mal unbrauchbar…

Angekommen auf dem „heiligen Berg“

Oktober 19, 2007

Nun bin ich schon eine Woche auf dem Bienenberg und endlich finde ich mal Zeit, euch zu erzählen, wies hier so läuft und wies mir geht.

Für die, die es noch nicht so genau wissen nochmals eine Zusammenfassung dessen, was ich jetzt eigentlich mache:

Zur Zeit besuche ich eine Jüngerschaftsschule. Das Hauptziel ist, dass meine Beziehung zu Jesus stärker wird und sie auch im normalen Alltag bestand haben kann.Die Jüngerschaftsschule besteht aus zwei Teilen: 10 Wochen Schulung und 6 Monaten Einsatz. In der Schulung habe ich Fächer, die ich auch bei einem Theologiestudium haben würde, aber auch Englisch, fremde Kulturen usw. Das ganze findet auf dem Bienenberg statt. Dies ist ein Schulungs- und Tagungszentrum verschiedener Mennonitengemeinden aus der Schweiz und aus Deutschland. Die Mennoniten sind eine Freikirche (keine Sekte =) ) und vom Glauben her ziemlich ähnlich wie die reformierte Kirche.

So. Damit ich das mal klargestellt hätte.

Am Sonntag Morgen, ziemlich früh, gings also los. Nachdem ich (fast, wie sich herausstellte) alles gepackt hatte und mich von meiner Familie verabschiedet hatte, fuhren Michu und ich los in Richtung Basel. Den Bienenberg fanden wir Problemlos, man erreicht ihn auf einer alten, kaputten, holprigen Strasse. Er ist etwas abgelegen von Liestal und sehr schön gelegen, so gehen wir oft spazieren und zum Joggen habe ich es auch noch einmal geschafft.

Das Get it-Team besteht aus 5 Teilnehmern (Eva, Elke, Thomas, Michèle und ich) und einem Teamleiter (Riki). Zusammen bewohnen wir ein Haus auf dem Bienenberg. Als ich ankam, waren überall Schilder wo „Herzlich Willkommen“ drauf stand, in der Küche warteten schon Kuchen und andere Süssigkeiten und Salzigkeiten auf uns. So fühlte ich mich sofort wohl hier. Auch hatten wirs im Team sofort gut zusammen. Abgesehen davon, dass es etwas kalt ist (aber gestern haben sie zum Glück dann doch die Heizung eingestellt) und ich dummerweise meine Fleece-Decke zuhausegelassen habe, weil ich dachte, es sei sicher warm hier, ist es voll gemütlich. Ich teile mit Michèle ein Zimmer, was manchmal zu Schlafmangel durch zu langes Schwatzen am Abend führt.

An den Tagesablauf hier muss ich mich noch etwas gewöhnen… Der Wochenplan ist ziemlich vollgestopft und es gibt viele Regeln, wie was gemacht werden sollte. Zu dem haben wir auch Leseaufgaben in den verschiedenen Fächern. Da wir aber jede Woche einen neuen Stundenplan bekommen, habe ich noch nicht herausgefunden, wie ich es anstelle, dass ich das gelesen habe was ich sollte. Die Unterrichtsfächer heissen nun plötzlich nicht mehr Mathe und Franz sondern Nachfolge, Biblische Theologie, Seelsorge, Evangelisation, Lebensgeschichte, Englisch, Leben in fremden Kulturen usw.

Essen gibts im Restaurant. Anfang letzte Woche war es nicht wirklich gut, aber nachdem ich mich beim Koch beschwert habe, das Essen sei viel zu mastig (und wir hatten drei mal hintereinander frittierte Kartoffeln in irgendeiner Form) ist es besser geworden.

Damit wir nicht so viel bezahlen müssen, arbeiten wir ca. 7 Stunden pro Woche (in der Woche je 1/2h Ämtli und am Samstag 3h). Am Samstag habe ich 3 Stunden Fenster geputzt, weil ich dummerweise gesagt habe, dass ich das gerne mache. Ich war allein und bin fast durchgedreht…

Am Sonntag Morgen gehts immer in den Gottesdienst. Da sowieso keiner in seine Gemeinde gehen kann, haben wir jetzt Zeit, in verschiedenste Gemeinden reinzuschauen.

So, jetzt wisst ihr mal, wies so ungefähr läuft hier oben.